Da ich kürzlich einige Zeit in einer Reha verbracht habe (als Begleitperson) und dieser Aufenthalt viele Eindrücke in mir geweckt hat, wollte ich einmal über das Thema Inspiration sprechen. Also zumindest um Realinspiration, wie eben durch diesen Aufenthalt. Dazu möchte ich ein kleines Bild malen, nämlich das des lauten Speisessaals, in dem man die Begrüßungen des Tischnachbarn kaum hört. Obwohl es in den Ohren dröhnt von Gesprächen, zu den Seiten, im Rücken und vor einem liegt die Einsamkeit auf der Haut wie eine nasse Decke: unangenehm, kalt und schwer. Hinzu kommt die Frustration über Essen, das man sich nur halb aussucht und bei dem man teilweise nicht weiß, wie es denn schlussendlich auf dem Teller aussieht. Öfter als es sollte, endet es in Sättigung des Magens, nicht aber des Gemüts. Der Geist geht aufgewühlt und ist erleichtert den Raum zu verlassen, der Magen hingegen empfindet das Gegenteil.
Dieses Bild steht für einige weitere, die ich dort sammeln durfte und obwohl das so nicht geplant war (wie das ja immer passiert) haben diese Bilder Einfluss gewonnen auf die Webserie, an der ich zurzeit arbeite. Es ist lange her, dass ich in einer randvollen Kantine gegessen habe und ich gebe zu, selbst als ich diese Gelegenheiten damals hatte, mied ich sie, wann immer ich konnte – introvertiertes Wesen wie ich bin. Ich aß alleine in einer stillen Ecke oder mit Freunden abseits vom Lärm und Menschenmassen.
Diese Gefühle zu wecken, ja gar gezwungen zu sein dort zu bleiben, war eine Erfahrung, bei der ich dachte „so muss sich Enna fühlen“.
So oder so ähnlich lief es auch oft beim Schreiben der Buchreihe „die Chroniken des letzten Reiches“ (CdlR) für mich ab und ich vermute, dass dies auch der Grund ist, weshalb „ein Zauber aus Tinte und Perlmutt“ (ZaTuP, Arbeitstitel) bisher weniger mit mir resoniert als CdlR. Denn das Buch, was zuvor noch „Die Stimme, die den Drachen band“ hieß, wurde komplett aus einer Idee geschrieben und nicht aus diesen sehr realen Eindrücken und Gefühlen. ZaTuP war eine Bitte von mir, als Leser, an mich, als Autor, und die letzten Monate bemühte ich mir diesem Werk mehr Leben einzuhauchen, indem ich mehr Weltenbau betrieb – denn das war es, was im Vergleich zu CdlR fehlte, dachte ich.
Das war kein undankbares oder fruchtloses Unterfangen und ich denke noch immer, dass es eine gute Idee war. Es ist kein Schaden entstanden und ich werde diese Welt auch noch weiter entwickeln müssen, um dem Perfektionismus in mir Genüge tun zu können. Doch nun wo ich die Webserie „Neugiersfinger und Tapferbein: Aus dem Leben einer Eingeschworenen“ (NeUTa) angefangen hatte und in dieser Kantine saß, machte etwas in mir *klick*. Enna ist (obwohl sie die neuste meiner Protagonistinnen ist, die bereits ein Manuskript besitzt) mir beinahe näher als Prisca, mit welcher ich nun schon zwei, drei Jahre arbeite. Und ich denke, dies liegt an der Realinspiration, die ich kürzlich finden durfte.
Nachdem ich also lange dachte, dass es an den unterschiedlich gut entwickelten Welten liegt, stelle ich nun fest, dass es vermutlich etwas anderes, oder zumindest noch mehr ist, als nur das.
Was also ziehe ich als Fazit?
Eigentlich nicht viel. Vieles, das Prisca und die fabelhaften Wesen angeht, die in der Welt „Mahir“ (vorläufiger Name) leben, kann man einfach nicht in der realen Welt darstellen oder finden. Ich habe mich mit Absicht sehr aus dem Fenster gelehnt, um meinem sonst sehr realistischem Stil zu entkommen und dies ist quasi die Quittung dafür. Was es aber bedeutet ist, dass ich versuchen kann (und sollte) zumindest Milaeds Kultur und Figur durch diese Realinspirationen und Erfahrungen zu verbessern. Nur wie ich dies anstelle, das wird sich noch zeigen.
Fürs Erste bleibt es wohl dabei, dass ich Enna neue Eindrücke zuweise und diese durch sie verarbeite. Die Arme wird sich am Anfang wohl ziemlich unwohl fühlen, doch ich weiß, dass sie in ihre neue Rolle hineinwachsen und aufblühen wird!

seit ich denken kann, erfinde ich leidenschaftlich gern Geschichten, alle davon im Genre Fantasy. Mal High oder sogar Epic, schreibe ich immer auch Romantik und eine Priese Slice-of-Life in meine Werke. Aktuell arbeite ich an der Buchreihe „Die Chroniken des letzten Reiches“.

