Romantsy vs Romantic Fantasy. Warum es wichtig ist, das wir sie auseinanderhalten!

Alter Titel: Romantic Fantasy / Romantische Fantasy. Ein Genre, das von Romantasy verschluckt wird?

Passend zu Halloween habe ich für euch ein Thema, das mich seit einiger Zeit ziemlich gruselt: Romantic Fantasy, das Genre, das ich am liebsten lese und auch schreibe und welches (gefühlt) gerade am Aussterben ist. Nun wird sich der ein oder andere wundern und sagen „Aber Romantasy ist überall! Die Fantasy-Abteilung schrumpft während Romantasy die Regale füllt“ und meine Antwort darauf ist: genau das ist das Problem.

Ich habe nun schon oft und auf diversen Plattformen erklären müssen, was „Romantic Fantasy“ eigentlich ist, was auch der Grund ist, weshalb ich diesen Artikel schreibe, damit ich auf ihn verweisen kann. Erst einmal das wichtigste:

Nein, Romantic Fantasy ist NICHT Romantasy.

Die beiden Genres sind Geschwister. Sie sind sich sehr ähnlich, doch sie haben ihren eigenen Charakter und Eigenarten. Bevor Romantasy etwa 2023/24 fest als Genre definiert wurde, waren Bücher dieser Art als „Fantasy Romance“ bekannt und eher selten. Man musste sie suchen, wenn man sie lesen wollte. Genauso verhält es sich noch immer mit romantic Fantasy, die nun leider öfters fälschlicherweise als Romantasy verkauft wird. Dies führt dazu, dass nicht nur Fantasy, die wenig oder gar keine Romantik enthält, verdrängt wird, sondern auch die zuvor bereits schwer zu findende romantic Fantasy.

Was ist der Unterschied?

Führen wir eine kurze Daumenregel ein: das Adjektiv bezieht sich auf das Subjekt, also ist das Subjekt das Hauptobjekt, sprich das Hauptgenre. Romantic Fantasy ist also hauptsächlich Fantasy an der Romantik angehängt ist. Bei Fantasy Romance ist dies etwas schwerer zu erkennen, da es üblicherweise nicht „fantastic Romance“ hieß, doch auch jetzt noch sind Romantasy-Bücher so zu definieren: Eine Liebesgesichte, die einige Fantasyelemente (z.B. ein Fantasysetting) enthält. Das Hauptaugenmerk ist also die Liebesgeschichte, die Beziehung der Hauptfiguren.

Dabei ist es vollkommen in Ordnung, wenn ein ganzes Kapitel in romantic Fantasy der Beziehung angedacht ist. Andersherum kann ein Romantasy-Buch auch viel Plot und Worlbuilding enthalten. Die Regeln sind durchaus fluide.
Einem Romantasy-Buch werde ich aber eher vergeben, wenn es die Fantasyelemente nur halbherzig oder oberflächlich einbaut, einer romantic Fantasy hingegen eher weniger. Dafür ist es dort wiederum in Ordnung, wenn sich die Romanze nur ab und zu aufbaut.

Dies bedeutet natürlich auch, dass es Kandidaten gibt, die irgendwo in dem Grau zwischen diesen beiden Genres schweben.

Es gibt noch ein weiteres Problem bei dem Genre Romantasy, das dem einen oder anderen schon aufgefallen ist: Der Romantasy-Begriff wird oft erklärt als Portmanteau von „romantic Fantasy“. Wo der genaue Ursprung des Wortes „Romantasy“ liegt, lässt sich nicht sagen, doch klar ist, dass er nicht das Genre reflektiert das viele ihm zuschieben, denn was wir dort nun finden ist fantasy Romance, nicht romantic Fantasy.
Ich gebe also die These in den Raum, dass „Fanrom“ einfach nicht so gut geklungen hat wie „Romantasy“ und zusätzlich, dass „Rom“ als erste Silbe hier stärker gewichtet ist, so wie eine „Romcom“ auch zu großen Teilen Romance ist und nur nebenbei Comedy.

Vermutlich ist also Romantasy eher aus einer Rechnung Romance + Fantasy entstanden und entspricht eben nicht romantic Fantasy.

Zuletzt kann man natürlich argumentieren: Romance + Fantasy entspricht doch dann sowohl romantic Fantasy als auch fantasy Romance. Und dies mag stimmen, doch ich möchte im Folgenden argumentieren, dass es wertvoll für uns wäre, diese kleinen Genres zu trennen, statt sie zusammenzuwerfen. Und das nicht nur, weil fantasy Romance viel häufiger vorkommt als romantic Fantasy. Ein Umstand, der „Romantasy“ eben quasi zum Synonym für „romantic Fantasy“ gemacht hat.

Warum ist diese Unterscheidung wichtig?

Bei romantic Fantasy wird dem Leser versprochen, dass es zwar eine Liebesgeschichte gibt, doch das Hauptaugenmerk ist die Fantasy, also der Plot oder das Erkunden der Welt. Dieser semantisch feine Unterschied führt jedoch zu einer stark veränderten Handlung und Geschichte, was die Erwartungshaltung des Lesers sehr enttäuschen kann:
„Warum ging das ganze Kapitel um das Magiesystem? Ich will das sie sich endlich küssen!“ oder „Urgh, jetzt flirten die schon wieder, ich will wissen, wo der Drache hin ist!“

Bei Romantasy oder früher fantastic Romance hingegen wurde dem Leser versprochen, dass sie eine Romance lesen, die in einer fantastischen Welt spielt und immer mal wieder magische oder fantastische Elemente hat, um das Geschehen aufzubrechen. Ein theoretisches Beispiel, wie (oberflächlich betrachtet) dieselbe Geschichte verschiedene Schwerpunkte haben kann:

  • Zwei Elfen verlieben sich, doch dann zwingen Drachen sie zur Evakuierung. Kann ihre Beziehung die Strapazen überstehen? -> Romantasy

  • Drachen zwingen die Elfen zu evakuieren, dabei verlieben sich zwei Elfen. Werden sie eine neue Heimat finden? -> romantic Fantasy

Wie zu Anfang erwähnt, ist romantic Fantasy mein Lieblingsgenre. Sobald ich Suchmaschinen benutzen und damit auf jagt nach meiner nächsten Lektüre gehen konnte, sah ich mich tippen „hat (Buchtitel) romance“. Es ist einfach zu sehen, ob ein Buch Fantasyelemente beinhaltet, doch Beziehungen sind nicht immer aus dem Klappentext oder Werbematerial zu erkennen – und das ist vollkommen in Ordnung.

Problematisch aber ist die falsche Verwendung von „romantic Fantasy“ und „fantasy Romance“ / „Romantasy“, denn so gehen Nuancen verloren, die viele gerne unterscheiden möchten (egal ob sie es wissen oder nicht). Ich persönlich lese nur wenig „reine Romance“, da ich lieber von anderen Welten lese als unserer, die ja zwangsläufig in der Hoch- und Fachliteratur, die ich ansonsten lese, immer vorhanden ist. Fantasy bringt einen gewissen „Pep“ in das Romance Genre, der mir sonst oft fehlt.

Begriffe geben uns die Möglichkeit, in Worte zu fassen und zu beschreiben, was wir möchten. Leser, die Romantasy über haben, würden vielleicht romantic Fantasy bevorzugen, wo sie durch den Plot mehr Abwechslung (und oft auch weniger Spice) finden. Besonders im deutschen Raum rede ich immer öfter mit Lesern, welche scheinbar nach romantic Fantasy suchen, den Begriff jedoch leider einfach nicht kennen.

Und warum ist dir das so wichtig?

Weil ich romantic Fantasy schreibe.
Meine Buchrreihe „die Chroniken des letzten Reiches“
tänzelt zwar manchmal an der Linie, doch sie ist viel zu Plot- und Worldbuilding-lastig für das, was heutzutage „Romantasy“ genannt wird. Für das Genre romantic Fantasy hat sie zwar ein eher starkes Augenmerk auf die Beziehungen (im Verlauf der Buchreihe nimmt dieses zu) doch alles in allem gehört mein Hauptwerk in das Genre, das im Moment verdrängt wird.
Und dies anzusehen, tut mir natürlich in der Seele weh.

Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich Romantasy nicht schätze.
Als Romantasy „offiziell“ ein Genre wurde, habe ich gejauchzt und habe mich riesig gefreut. (Auch weil ich dachte das es eben mein Lieblingsgenre ist, das nun groß wird, aber ich freue mich auch, obwohl dem nicht so ist immer noch!) Ich habe ein Romantasy-Buch nach dem anderen verschlungen, aber eben dadurch fiel mir auch schnell auf das es eben beinahe ausschließlich fantasy Romance beinhaltet, und fast keine Anteile an romantic Fantasy.
Nun schreibe ich als Nebenprojekt selbst ein Romantasy-Buch (Ein Zauber aus Tinte und Perlmutt), doch diese Geschichten unterscheiden sich nicht nur in ihrer Handlung oder der Welt. Der Erzählstil und Augenmerk sind deutlich verschieden zwischen diesen Genres. Das merke ich beim Plotten, beim Schreiben und beim Lesen.

Einige Genre-Beispiele

Um es zum Abschluss noch etwas deutlicher zu machen, habe ich ein paar mehr oder minder bekannte Bücher auf diese Genre aufgeteilt. Mit der Zeit füge ich vielleicht noch andere dazu.

Romantic Fantasy:

  • Emily Wildes Enzyklopädie der Feen
    Vor allem die Einstellung und das Verhalten der Protagonistin machen es zu romantic Fantasy, auch wenn die Beziehung öfters thematisiert wird.

  • Elfenkrone von Holly Black
    Die ganze Trilogie passt, auch wenn die Beziehung von Buch zu Buch mehr Raum einnimmt.

  • Miss Moons höchst geheimer Club für ungewöhnliche Hexen von Sangu Mandanna
    Cozy romantic (Urban-)Fantasy. Die meiste Zeit handelt die Geschichte von anderen Dingen, auch wenn am Ende eine Beziehung mit herauskommt.

  • Das Mädchen, das in den Wellen verschwand von Axie Oh

  • Der Kuss der Lüge von Mary E. Pearson
    Die Romance ist hier ziemlich stark, also kann ich jeden verstehen, der es doch in Romantasy sortieren würde. Ich persönlich finde, aber der Plot hat in der Reihe einen stärkeren Stellenwert.

  • Der Orden des geheimen Baumes Buchreihe von Samantha Shannon
    Obwohl ich erst ein Buch davon gelesen habe, kann ich jetzt schon sagen, dass es definitiv Romantic Fantasy ist.

Romantasy:

  • Divine Rivals von Rebecca Ross
    Sehr mittig, Romance und Plot sind beinahe gleichberechtigt, doch ich denke die Meisten lesen es eher für die Romance als für den Plot.

  • Fourth Wing von Rebecca Yarros

  • Alle Bücher von Carissa Broadbent (z.B. The Serpent and the Wings of Night)

holt tief Luft
So! Nun habe ich mir das endlich von der Seele geredet und mit euch geteilt, statt es ständig in Foren oder auf den sozialen Medien zu erklären. Ich hoffe, ihr versteht diese zwei bzw. drei Genre nun besser und dass ich dazu beitragen konnte, dass sie in Zukunft besser auseinander gehalten werden.
Wenn euch noch weitere Bücher für meine Beispielliste einfallen, überprüfe ich diese gerne und trage sie nach, sofern sie passen. Lasst uns gerne darüber und über das Thema generell diskutieren, wenn ihr mögt! Das Romantasy Genre ist noch vergleichsweise jung und wir haben die Chance es etwas zurechtzurücken, doch dies geschieht nun einmal über Diskurs und darüber nachdenken. Nun ist es euch überlassen, ob ihr dabei mitmachen wollt oder nicht 🙂

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