Okay, kleine Korrektur direkt am Anfang: Ich habe vor vielen Jahren schon einmal versucht bei einem Wettbewerb mitzumachen. Ungelogen muss das über 10 Jahre her sein und es war eine Katastrophe.
Notiz dazu:
Ich bin kein Mensch für Kurzgeschichten. Ich lese sie selten und sie zu schreiben liegt mir überhaupt nicht. Meine Geschichten wollen sich entfalten und aufbauen. Mir ist absolut klar, dass dies auch im Kurzformat möglich ist, aber braucht das herumbasteln und verkürzen - das auf den Punkt bringen - um dies zu ermöglichen, dann genauso viel Zeit wie eine lange Geschichte und das demotiviert mich total.
Da ich damals nur Wettbewerbe für Kurzgeschichten fand, hatte sich das Thema für mich erledigt und das für lange Zeit. Erst dieses Jahr, als ich ein Beratungsgespräch mit einem Branchen-Experten hatte, wurde mir nochmal nahegelegt: Mach bei Wettbewerben mit.
Also begab ich mich wieder auf die Suche und siehe da: Es gibt (jetzt?) auch welche für lange Werke. Die Teilnahmebedingungen schreiben zum Teil sogar aus, dass es eine Mindestlänge gibt, was ich klasse finde!
Um aber am eigentlichen Anfang anzufangen, müssen wir noch ein wenig weiter zurückgehen.
Schon vor dem Gespräch mit dem Experten hatte ich vorgehabt, bei einem Wettbewerb teilzunehmen:
Wie der ein oder andere Leser weiß, bin ich auf dem GerNoWriMo-Discord Server, auf den die deutsche Community des internationalen NaNoWriMo (also der Novemberschreiben Herausforderung) umgezogen ist. Dort trifft sich ein Großteil derer, die im November ein Buch (oder eben 50.000 Wörter) verfassen wollen.
Einen Haken gibt es allerdings: NaNoWriMo hatte einige Skandale in und vor 2024. Davon hatte ich nicht viel gehört, bevor ich eine Teilnehmerin wurde, aber es hatte einen starken Effekt auf die deutsche Community auf dem GerNo-Server. Im Endeffekt haben sie entschieden sich von NaNo abzuspalten, was ich jetzt – wo ich alles zusammengepuzzelt habe – absolut nachvollziehen kann.
Der GerNo arbeitet nun daran einen eingetragenen, legalen Verein zu grünen und eigene Server hochzuziehen, mit einem Forum und allem (das Forum ist nun auch online!). Und im Gespräch mit anderen Schreibenden fiel mir auf, dass ich vorher nie darüber nachgedacht hatte, einem solchen Schreibverein beizutreten (oder dass solche überhaupt existierten).
Ich begab mich also auf die Suche nach anderen Schreib- oder Autorenverein (besonders gefiel mir die Idee von lokalen, physischen Treffen in meiner Nähe) und ich wurde schnell fündig. Ein paar Klicks durch das Internet später stieß ich auf den PAN e.V. von dem ich bis dato noch nie gehört hatte. Ich las mir die Webseite durch, downloadete die Satzung usw.
Und dann sah ich es: das PAN-Stipendium. Ein Wettbewerb, der nur lange Texte annahm. So etwas hatte noch nie gesehen und kurzerhand dachte ich „Da mache ich mit, falls es in 2025 wieder stattfinden sollte!“
Die Kategorie Debüt wäre für mich perfekt, ich unterlag allen Voraussetzungen ganz natürlich.
Ich kam mir verrückt vor bei dem Gedanken, aber was hatte ich schon zu verlieren?
(Das man jedes Werk nur einmal und dann nie wieder einsenden kann, war ja bei einem x-beliebigen Wettbewerb gar nicht so wichtig, oder?)
Da ich wusste, dass ich vielleicht kalte Füße bekommen würde, nahm ich mir vor, es auf jeden Fall einfach zu probieren. Diese Einsendung würde ein weiterer Schritt auf meinem Weg sein, das Schreiben zur Karriere zu machen und mir selbst zu beweisen, dass ich es wirklich ernst meinte. Und um mich also davon abzuhalten zu kneifen, erzählte ich ein paar Leuten direkt davon.
Das war kurz vor dem Gespräch mit dem Branchen-Experten und wirklich erkundigt zum PAN e.V. hatte ich mich da noch nicht…
Von Neugierde zur Panik
Als ich die Empfehlung bekam bei so etwas teilzunehmen, dachte ich also sofort an das PAN-Stipendium. Die Webseiten der Vorjahre zeigten, dass es schon mehrere dieser Wettbewerbe gegeben hatte (wohl immer einen im Jahr) und dass sie immer ca. im Februar starten. Das war perfektes Timing, denn es war Anfang Februar.
Ich würde also nur einige Tage warten müssen um herauszufinden, ob das PAN-Stipendium 2025 wieder stattfinden würde.
Beim Warten erkundigte ich mich dann mehr zum PAN und sah mir sein Programm, die Autoren darin und die Geschichte des Vereins an. Das Ganze warf mich völlig vom Stuhl, da ich angenommen hatte, dass es sich um einen x-beliebigen Verein handelte. Das Phantastik-Autor*innen-Netzwerk e.V. ist die größte Vereinigung für deutschsprachige Phantastik (von der ich jedenfalls gehört habe).
Plötzlich wuchs der Wunsch zu gewinnen und mit ihm auch die Sorge, ob ich das schaffen würde.
Es ist schon ein merkwürdiges Gefühl, gleichzeitig zu denken, dass man gut genug ist und die eigene Kunst es wert wäre, zu gewinnen und doch die Sorge zu haben, dass man missverstanden oder nicht wertgeschätzt wird. Es könnte ja auch einfach zig andere Bewerber geben, die genauso gut wären und man hat einfach Pech nicht gewählt zu werden.
Plötzlich klang „du kannst dein Werk nur ein einziges Mal einsenden“ ziemlich ernst!
Ein Versuch nächstes Jahr war nicht mit CdlR 1 möglich, wenn ich es 2025 versuchen würde und ich hatte in diese Reihe mittlerweile über 10 Jahre investiert. Da nur Auftaktbücher erlaubt sind (also die Ersten in Reihen) schloss das alle anderen CdlR-Bücher aus und abgesehen von CdlR 1 gab es nur mein Nebenprojekt, das bis 2026 vermutlich nicht weit genug wäre, eine realistische Chance bei einer Einsendung zu haben.
Bis Februar 2026 zu warten, um mit CdlR 1 teilzunehmen, wollte ich allerdings auch nicht.
Mein Zeitplan hatte sich bereits massiv nach hinten verschoben, aber die Überarbeitungen jetzt waren schon ziemlich final. Bis 2026 wollte ich den 4. Entwurf von CdlR 1 bereits an Agenturen gesendet haben.
Ich saß also plötzlich mit Angst und Vorfreude wie auf heißen Kohlen und schaute täglich nach, ob der Wettbewerb angekündigt tatsächlich werden würde. Ich sah mir die Beispiel-Dateien an und merkte, dass mein Exposé (wie ich dieses erstellt habe, könnt ihr hier lesen) ganz anders aussah und ich es nach den PAN-Voraussetzungen besser neu schreiben sollte. Außerdem bat ich meine Alphaleser, den Anfang der neusten Überarbeitung demnächst zu lesen, damit ich eventuelles Feedback vor der Einsendung verarbeiten konnte.
Und dann plötzlich kam die Ankündigung:
Das PAN-Stipendium würde stattfinden und die Einsendung im März öffnen.
Schweinehund und andere Hindernisse
Man mag sich denken, mehr Zeit zu haben als geplant wäre eine gute Sache und ich sollte mich freuen. Aber einen Monat mehr auf der Hand zu haben, gefiel mir gar nicht. Als ADSler mit chronischer Prokrastination und Aufgabenparalyse war ab dem Zeitpunkt, an dem ich dies las, plötzlich eine Blockade in meinem Kopf.
So motiviert wie ich gewesen war alles zurechtzumachen um Teilzunehmen, genauso demotiviert und blockiert war ich nun, da es eine Deadline gab (die nicht sofort fällig war). Ich hatte damit gerechnet, schnell bis Mitte März alles fertigstellen zu müssen. Natürlich wollte ich auch jetzt nicht erst am Ende des Zeitraumes einreichen, aber die Deadline im Mai war so weit entfernt, dass mein Gehirn einfach nicht anfangen konnte. Die Priorisierung hatte sich völlig auf den Kopf gestellt und das obwohl der Fahrplan schon klar war:
Ich wusste von Anfang an, ich müsste den Anfang von CdlR 1 nochmal durchgehen.
Da ich bereits Beta-Feedback dazu hatte (wenn auch zu wenig) wäre es eine gute Sache dieses anzusehen, damit dann den Text ein letztes Mal zu polieren und schließlich meinen vertrautesten Lesern den letzten Check zu überlassen. Nun aber wollte mein Kopf sich nicht darauf ausrichten und den Prozess beginnen.
Ich setzte also erstmal noch die Überarbeitung des 3. Entwurfes von CdlR 1 fort und schob das Problem vor mir her. Das würde bis Ende Februar funktionieren, danach aber würde der Drachenmärz anfangen, in dem ich am Nebenprojekt arbeiten wollte.
Spätestens dann würde ich dann ganz bestimmt anfangen. Nebenbei eben.
Gegen Ende Februar schien sich dann auch wirklich alles zum Guten zu wenden. Die Überarbeitung von CdlR 1 war mir überdrüssig und ich war bereit einen anderen Arbeitsschritt anzugehen – selbst wenn dies der Rückweg zum Beginn des selben Buches wäre. Zum Zweck der Überarbeitung und Einstimmung auf die Stipendiumseinsendung sah ich mit die FAQ-Seite des Stipendiums nochmal an…
…und durfte feststellen, dass man gar nicht den Anfang des Werkes einsenden musste. Es stand einem frei, andere Textausschnitte für die Einsendung zu wählen und das blockierte mich nun noch mehr: Was, wenn es eine bessere Stelle gab als den Anfang? Aber welche?
Wäre weiter hinten besser, da dort interessantere Inhalte vorkamen? Sollte ich eher etwas mit viel Worldbuilding nehmen? Aber was, wenn dies dann wie Infodumping aussah? Solche Passagen waren zwar nicht maßgeblich für das ganze Buch, konnten aber als solche interpretiert werden, oder?
Also vielleicht doch lieber etwas Zwischenmenschliches? Aber würde Romantik gut ankommen? Würde ein Kampf vielleicht einen besseren Eindruck hinterlassen? Oder doch eine Stelle mit blumiger Beschreibung?
Und wenn ich eine weiter hinten liegende Textstelle wählte, wann wäre es zu weit, sodass die Juroren es nicht mehr verstehen würden?
Was, wenn ich mich selbst sabotierte, mit meiner Stellenwahl?
Da mir schnell der Kopf schwirrte, fragte ich meine Leser nach ihren liebsten Stellen, doch viele davon waren meiner Meinung nach viel zu weit hinten. Wer mochte schon ein Buch, bei dem er mitten in der Mitte oder am Ende anfing zu lesen? Das würde ja nur verwirren! Nun war es also Anfang März und ich fühlte mich, als hätte ich weniger Chancen und Mut als Anfang Februar als ich zum ersten Mal die Idee hatte, bei dem Wettbewerb teilzunehmen…
Und immer wieder war da diese Stimme, die sagte:
Du gewinnst ohne hin nicht.
Sie werden es nicht verstehen und du wählst sicher eh nicht die beste Stelle aus. Die Chancen standen von vorneherein schlecht, bei seinem so prominenten Wettbewerb, wo sicher viele mitmachen.
Vermutlich hast du nicht einmal das Glück, auf die Shortlist zu kommen.
Warum also verschwendest du so viel Zeit damit? Lass es einfach.
Aber ich hatte es mir vorgenommen. Und ich würde es tun.

seit ich denken kann, erfinde ich leidenschaftlich gern Geschichten, alle davon im Genre Fantasy. Mal High oder sogar Epic, schreibe ich immer auch Romantik und eine Priese Slice-of-Life in meine Werke. Aktuell arbeite ich an der Buchreihe „Die Chroniken des letzten Reiches“.

