Dies ist eine Fortsetzung eines vorigen Beitrages. Den ersten Teil dieses Abschnitts auf meiner Schreibreise findet ihr in Writers Log #96
Nach dem Drachenmärz
Meine Rechnung ging nicht auf, so wie das bei uns ADSlern oft passiert.
Es war nach März. Ich hatte gut gearbeitet und mein Nebenprojekt war ganz wunderbar angewachsen. Ich hatte sogar etwa Mitte März frühzeitig beendet, weil die Luft einfach raus war und meine Muse zurück in den Weltenbau wollte. Das war alles in Ordnung.
Außer, dass ich eben noch nichts für das PAN-Stipendium vorbereitet hatte.
Zu meinem Glück (oder in meiner Weisheit) hatte ich aber mit meinem engen Kreis die Teilnahme am Stipendium abgesprochen und so kam es, dass ich danach gefragt wurde, wie es denn voranging (Antwort: quasi gar nicht). Und wie mein engerer Kreis zum Glück meist ist, kam darauf die Frage, was denn eigentlich das Problem wäre. Und Hand in Hand mit einem der Alphas ging ich meine Probleme am Exposé durch, die mich beim bloßen Ansehen vor den Kopf stießen. Und dann ging alles ganz schnell.
Innerhalb weniger Tage war das Exposé fertig und es gefiel mir sogar! Natürlich war es nicht perfekt, es fehlten auch (meiner Meinung nach) einfach viele Informationen in der Inhaltsangabe, aber so ist das nun einmal, wenn man so wenige Seiten Platz hat! Das Wichtigste war enthalten. Ich hatte nicht nur gelernt, was ein USP (Unique Selling Point) ist oder wie eine Log-Line sich von einem Pitch unterscheidet, ich hatte all das sogar geschrieben, und das war ein Erfolg.
Da mein Plan vorsah, dass ich Vorschläge für den Textauszug an meine Alphas geben würde, gab ich mir endlich einen Ruck und suchte kurzerhand ein paar Stellen heraus. Durch den USP war das sogar ganz einfach: Ich suchte Stellen aus, wo diese USP sehr sichtbar vorkamen. Da das Maximum an Normseiten für den Textauszug 25 Seiten, aber die Empfehlung bei 15 lag, durfte es nur eine Szene sein. (Da meine Szenen immer mind. 2 Beats haben, sind sie immer recht lang)
Bühne frei für das Drama!
Ich sandte also meine Vorschläge 1 (Kapitel 1, Szene 1), 2 (Kapitel 3, Szene 1) und 3 (Kapitel 5, Szene 1) an meine Alphas und erbat mir Feedback. Und das kam auch, wenn auch etwas später als abgesprochen. Wir hatten Zeit, das war nicht das Problem.
Ein Punkt, den ich hier (in Retrospektive) anbringen will, ist folgender: Ich hatte gerade vorher einen neuen PC bekommen und eingestellt. Dies bedeutete auch all meine kreativen Arbeiten auf eine neue Plattform umzuziehen. Das ganze ging (dachte ich) reibungslos vonstatten. Merkt euch dies für später!
Als ich diese Vorschläge herausgab, tat sich mir dann schnell die Frage auf: Wie wirkt es auf den Leser / die Jury zum Beispiel in Kapitel 5 anzufangen? Ohne das Vorwissen aus den vorigen Kapiteln oder die erfundenen Wörter, oder die Figuren zu kennen? Das Problem ließe sich einfach mit 1-2 Sätzen Zusammenfassung und Stichpunkten davor lösen, aber wäre das erlaubt?
Ich schrieb das Stipendiumsbüro des PAN an. Die Antwort war nein. Mist.
Da stand ich nun also. Das Feedback der Vorschläge deutete auf Kapitel 5 und Kapitel 1. Diese Antwort jedoch machte eigentlich fast nur Vorschlag 1, also den echten, richtigen Anfang des Buches möglich. Ich dachte ein paar Tage darüber nach und entschied: Es wird Kapitel 1, Szene 1. Die Szene wurde korrigiert, ich las es nochmal und suchte nach Stellen, die ich ändern wollte.
Wie merkwürdig, dass mir dabei ein ums andere Mal auffiel, dass dort Änderungen fehlten, die ich gemacht hatte. Ich weiß wirklich nicht, warum es an diesem Zeitpunkt nicht endlich Klick gemacht hat, doch ich dachte mir nichts dabei. Vielleicht war es der Stress oder die Gewöhnung an mein altes Manuskript. Auch meinen Alphas fiel nichts auf.
Als ich dann nochmal über das Feedback eines meiner Betas sah, fiel es mir plötzlich wie Schuppen von den Augen: Die Vorschläge waren aus dem alten Manuskript. Keiner meiner Alphas hatte die Version November 2024 – Februar 2025 gelesen! Ich hatte ihnen die falsche Version geschickt!
Im Nachhinein ist mir klar, dass ich als ich auf den neuen PC umgezogen bin, die alte Datei statt der neuen geöffnet haben muss. Da ich nach März auch nicht weiter editiert habe, sondern mich um meine Bachelorarbeit und das Exposé für PAN gekümmert habe, fiel mir dies auch leider nicht auf. Eine kleine Panikattacke später fand ich die richtige Datei und druckte einen neuen Vorschlag aus. Diesmal nur einen, denn die Argumente gegen spätere Kapitel als Textauszug waren ja weiterhin richtig.
Diesmal machte ich alles umgekehrt, denn (2,5 Wochen vor der Deadline) hatte ich endlich in meinen Arbeitsmodus zurückgefunden: Ich las die neue Version von Kapitel 1, Szene 1 gewissenhaft und strich mir Stellen an, die ich verbessern wollte. Diese Änderungen erledigte ich innerhalb weniger Tage, dann ging es an das Korrektorat. Erst danach, als also eigentlich bereit zum Einreichen war, gab ich es an meine Alphas für einen letzten Check.
Es gab nochmal eine Mini-Runde mit Verbesserungen, eher Politur mittlerweile. Alles sah gut aus. Ich war stolz, meine Alphas fanden es perfekt. Zwar glaubte ich noch immer nicht wirklich, dass ich gewinnen würde, aber DAS, was nun vorlag, war das Beste, das ich hervorbringen konnte. Und es war gut! Es hatte tatsächlich eine Chance, irgendwo zu landen. Es würde eine Chance haben, von einer Agentur tatsächlich ernst genommen zu werden – und allein deshalb hatte sich die Teilnahme und Arbeit doch bereits gelohnt, oder nicht?
Ich war auf Wolke 7. Der einzige Regen war das Formular zur Einreichung, das mir eine höllische Angst machte. Kurzerhand erstellte ich mir auch dafür eine Vorlage, wo ich alles eintrug und verbesserte und verbesserte und verbesserte. Meine Legasthenie machte mich paranoid. Ich ging alles mehrmals und kleinteilig durch, tatsächlich sogar mehrere Tage lang, denn einmal bekam ich beinahe Panik, weil es nun wirklich ernst wurde.
Als die Deadline schon weniger als zwei Wochen entfernt war, musste ich die Einreichung noch ein paar Tage aus gesundheitlichen Gründen verschieben. Auch am Tag, wo ich es tatsächlich tat, war nicht der beste, doch ich biss mich durch diese Hürden und sagte mir: Alles, wirklich ALLES ist vorbereitet. Du musst es nur eintragen und abschicken.
Als dann alles im Formular stand und hochgeladen war, saß ich vor dem „ABSENDEN“-Button. Ich haderte, las alles nochmal, aber ja, alles war richtig. Wenn da noch ein Fehler irgendwo wäre, würde ich ihn ohnehin nicht mehr finden. Ich war die Checkliste durchgegangen, hatte die FAQ nochmal gelesen und und und. Alles was blieb war wirklich nur das: Absenden.
Sobald ich auf den Button drückte, erschien eine Nachricht, dass alles geklappt hat.
Und dann kam die Angst.
Trotzdem wollten meine Mundwinkel hoch. Wie komisch sich das anfühlte, wenn ich doch nur Angst empfand. Prozentual war ich vielleicht 10% glücklich und nicht ein bisschen erleichtert. Unsicher, wie ich mit diesen merkwürdigen Gefühlen umgehen sollte, lief ich etwas umher. Am liebsten hätte ich mit jemandem gesprochen, doch leider war niemand da. Nach den gefühlt tausend Malen, die ich die Dokumente kontrolliert hatte, wollte ich keinen einzigen Blick mehr darauf werfen – wenn da doch ein Fehler war, würde mich das zerreißen.
Und dann sagte ich mir: „Weißt du was? Wird ja eh nichts passieren. Niemand wird davon erfahren.“
Natürlich wusste ich, dass ich Posts verfasst hatte und auch an diesem Blog schrieb, aber das blendete ich aus. Ich sagte mir: „Jeder wird es vergessen. Wer denkt denn an die Hunderte von Leuten, die nicht gewinnen? Am Ende geht es ja nur um die, welche es tun.“
Die Stimme in mir wurde milder und milder. Auch das war merkwürdig, denn so kannte ich sie nicht.
„Vielleicht schaffst du’s ja doch auf die Shortlist. Der Text ist gut. Es könnte passieren.“
Und darauf belasse ich es nun. „Es könnte passieren.“ Das ist doch schon eine Verbesserung.
Und der Anfang meines Manuskripts hat auch nie besser ausgesehen. Allein deshalb bin ich froh, dass ich teilgenommen habe. Ohne diese Deadline, ohne diesen Anreiz hätte ich vermutlich noch lang gebraucht, um zu diesem Punkt zu kommen.
Es mag hart gewesen sein, aber ich denke, es war eine gute Erfahrung.
Und wer nichts versucht, der gewinnt auch nicht.
Hätte ich nicht teilgenommen, wäre es auf dasselbe hinausgelaufen – mit dem Unterschied, dass der Anfang meines Manuskripts dann jetzt nicht so super aussehen würde!

seit ich denken kann, erfinde ich leidenschaftlich gern Geschichten, alle davon im Genre Fantasy. Mal High oder sogar Epic, schreibe ich immer auch Romantik und eine Priese Slice-of-Life in meine Werke. Aktuell arbeite ich an der Buchreihe „Die Chroniken des letzten Reiches“.

